Wenn’s einfach fließt…

(Geschrieben von Chono, ergänzt von Tandana)

Eine Nacht im Leben zweier Tantra-Lehrer

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„Die sind ja herrlich besoffen da drüben!“ freut sich Tandana, nimmt meine Hand und läuft beseelten Schrittes mit einem „HallllÖÖÖchen!“ über die Straße auf das wankende, junge, gackernde, aufgebrezelte Pärchen zu, als handele es sich um alte Freunde. „Kommt ihr auch aus der Muschi!?!“ lacht die Frau. Es ist halb zwei Uhr nachts und wir stehen in einer kleinen Parkanlage auf dem Koppenplatz in Mitte, fast zuhause, selbst stark angeheitert von einem gigantischen Tantra-Abend und einer kleinen Dosis Prosecco danach. Die nahe gelegene Eckkneipe trägt den Namen Muschi Obermeier, was ich nicht wusste, Tandana aber schon. „Nein, vom Tantra!“ lacht Tandana ganz selbstverständlich, als sei an der Frage nichts Ungewöhnliches.

„Wie geil! Geben oder Nehmen?“ dreht die Frau auf. „Wir haben gegeben!“ Tandana meint einen Workshop, die Frau eine Tantra-Massage, aber das ist unwichtig. „Ich will bei euch ’ne Paar-Session buchen, mit meinem Freund, ich such schon lange die passenden Leute!“. Sie schmiegt sich an mich und stöhnt. Wir quatschen und lachen und geben ihr eine Visitenkarte. „Wild Life Tantra!“ freut sie sich, „ich wusste, ihr seid die Richtigen!“.

Ob sie sich wohl melden wird? Ihren Namen kennen wir nicht, aber es war so oder so einer dieser völlig verrückten, magischen Flow-Momente. Tandanas Verhalten war eigentlich untypisch, aber der Instinkt hatte sie gepackt und sie hat sich nicht gewehrt. Es passte perfekt in den Fluss des Wilden Lebens an diesem Tag, wie ein Ausrufezeichen am Ende des Satzes.

Acht Stunden zuvor

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„Halleluja“ singt einer. Er sitzt mit seiner Gitarre am Rosenthaler Platz auf dem Bahnsteig, und auch, wenn dieser Leonard-Cohen-Klassiker in unseren Kreisen schon reichlich über-strapaziert ist, klingt es in diesem Moment wie ein Omen. Der Mann singt das Lied unprätenziös, authentisch, mit einer Liebe und Hingabe, die unaufdringlich ist und dadurch fesselnd und berührend. Das Lied schwebt über dem Großstadtlärm und erinnert mich an die Essenz unserer Arbeit und worum es heute Abend im Kern wirklich gehen sollte. Sofort entspanne ich mich, begrüße das Hier & Jetzt und weiß, es wird ein wunderbarer Abend werden – egal was passiert.

Wir waren beide in höchster Aufregeung, hatten uns schon ordentlich gerieben, weil einfach zu viel Energie da war, weil jeder von uns noch tausend Ideen im Kopf hatte für diesen Abend und der Ablauf eigentlich immer noch nicht zu 100 Prozent geplant war, weil uns die Zeit davonzulaufen schien. Es war das erste Mal, dass wir den Pfad des Wilden Lebens als Abendformat präsentieren würden, eine wichtige Premiere für das Institut und dann noch 30 Menschen auf der Gästeliste. Die Vermieterin des Wamos hatte uns einen fliegenden Wechsel angekündigt, wir könnten erst eine Viertelstunde vorher rein, bis dahin sei eine andere Gruppe im Raum. Wie sollte das gehen? Wenn die womöglich noch überziehen? Wohin mit unseren Teilnehmern? Wie den Überblick behalten? Wie in diesem Gewusel noch umbauen? Was, wenn die den Saal komplett bestuhlt haben und das alles noch umgeräumt werden muss? Unsere Nerven lagen blank, und da kommt einer und verzaubert uns mit einem Halleluja! DAS ist auf jeden Fall Tantra.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

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Als wir um 18 Uhr ankommen, ist die Gruppe vor uns schon am Schuhe anziehen. Der Saal ist leer, sauber und bereit, uns liebevoll in sich aufzunehmen. Wir sind dankbar, ist uns das Wamos doch schon beinahe zu einer zweiten Haut geworden. Susanne, unser guter Engel, zuverlässige Helferin und Assistentin an vorderster Front, ist auch schon da und begrüßt uns fröhlich und so können wir entspannt und professionell alles vorbereiten. Ich richte die Umkleide her mit ausreichend Stühlen, bringe die großen Matratzen in Position, baue die Technik auf und ziehe mich um, während Tandana und Susanne die Tische herrichten mit schönen Decken, Tee und den Informationsbroschüren und pünktlich um 18:45 beginnt der Strom der Gäste, die Tandana einen nach dem anderen willkommen heißt.

Erstmal ankommen

Tantra Workshop Seminar Jahrestraining Wochenworkshop Wochenendseminar Wildes LebenEintanzen – was gibt es Schöneres! Für uns, die wir so viele Gruppen und Trainings mitgemacht haben, ist das Eintanzen schon einer der schönsten Momente des Abends. Den Alltag vergessen, im Körper ankommen, neue Gesichter erblicken, alte Freunde umarmen. Für die Gäste, von denen viele das erste Mal bei uns oder sogar überhaupt auf einer vergleichbaren Veranstaltung sind, ist es oft spürbar befremdlich wenn sie „einfach so, aus dem Nichts heraus plötzlich tanzen sollen.“ Aber heute läuft es leicht, man lässt sich anstecken, sofort füllt sich der Raum mit diesem Parallel-Welt-Gefühl, dass hier die Dinge irgendwie anders sein dürfen, und es beginnt schnell zu fließen.

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Foto: Nazareth College Quelle CC BY 2.0

 

Dann Eingangsrunde, es ist auf eine Art immer so hölzern, dass es, von der Endrunde aus betrachtet rückblickend für alle komisch wirkt, wenn wir sagen „Erinnere dich nochmal, wie wir vor vier Stunden hier gesessen haben“. Aber es ist wie es ist, es beginnt etwas hölzern, auch bei uns. Natürlich wird sich niemand die knapp 30 Namen merken, aber es ist ein Ritual. „Sag deinen Namen und einen kurzen Satz darüber, was du dir von dem Abend erhoffst.“ Es ist ein wichtiger, erster Schritt, mit dem Laut-Aussprechen des eigenen Namens und der Wünsche und Ängste die man im Gepäck hat, aktiv teilzunehmen, sich wahrzunehmen, es auszusprechen und am Ende kann die Gruppe und vor allem wir besser fühlen, wo die Gruppe steht, von wo wir losgehen, und dass es Vieles gibt was uns alle verbindet.

Wir fangen an zu erzählen, das tun wir am Anfang immer. Wir brauchen das, um uns an unsere „höhere Vision“ wieder anzudocken. Wir erzählen vom Pfad des Wilden Lebens und was wichtig ist, um die Hirne mit genügend Futter zu versorgen, dass sie später, wenn wir mit dem Körper arbeiten wollen, entspannt ihr Nickerchen machen können, ohne mit ihren großen Fragen zu nerven. Für mich ist es aber fast egal, was ich sage, es ist das Wie. Ich fange an zu reden und lasse die Worte geschehen. Ich spüre die Aufmerksamkeit der Gruppe und wie ein gemeinsames Energiefeld entsteht. Die relevanten Informationen fließen vom Universum durch mich direkt zu ihnen. Die Gruppe vertraut sich uns an, lauscht aufmerksam und lässt sich verführen in eine Welt aus Neugier, Forschung, Begegnung und Transformation. Jeder wird seine Reise selbst gestalten, seinen eigenen Pfad des Wilden Lebens finden, und doch eint uns der Wunsch nach mehr Lebendigkeit, Lust, Leidenschaft, Liebe und was sonst noch mit L anfängt.

Der magische Flow beginnt

Was nun folgt, werden wir hier nicht preisgeben, denn wir schützen unsere Räume, und es geht da draußen natürlich niemanden etwas an, wer sich wie und warum wie weit aus dem Fenster gelehnt hat. Wir haben den TeilnehmerInnen zahlreiche Angebote gemacht, ihre mitgebrachten Gewohnheiten und Konventionen mal beiseite zu legen, mal was Verrücktes zu probieren, neue Erfahrungen zu machen, und alles aus einer starken Präsenz des Körpers und mit fortwährend tiefem Atem. Aber so viel können wir sagen, die Gruppe hat dieses Buffet der Angebote überfallen wie die Heuschrecken. Wir waren gesegnet mit einer Gruppe voller Mut und Freude, frech und wild. Wir konnten alle Widerstände gut mitnehmen und durften ein weiteres Mal Zeugen vieler großer und kleiner Wunder werden. Ich hab so was bestimmt schon öfter behauptet, aber für mich waren es die kürzesten vier Stunden meines Lebens, ein Rausch der Sinne und der Lebendigkeit, der den Titel „Pfad des Wilden Lebens“ mit Würde trug.

Flow ist der ungehinderte Anschluss an die kreative Quelle

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Viele unserer besten Ideen entstehen live, beim Anleiten der Gruppe, wenn wir diese wunderschönen Wesen durch verschiedene tantrische „Übungen“ führen. So sagte ich gestern in einer Begegnungsübung spontan: „Du spürst dich selbst, und du spürst dein Gegenüber. Aber es gibt noch jemand Drittes: eure Begegnung. Du spürst auch eure Begegnung. Sie ist euer Baby, ein zartes Pflänzchen, das in eurer Obhut liegt. Es hat gerade erst das Licht der Welt erblickt und darf nun in seinem eigenen Tempo wachsen…“ – Auch wenn es sinngemäß etwas ist, was mir schon lange klar war, so kam dieses Gleichnis mit dem Baby in diesem Moment spontan zu mir, aus dem Flow, aus dem Loslassen und Geschehen-lassen, denn oft, wenn ich nach dem Mikro greife, weiß ich noch gar nicht genau, was ich sagen will. Ich spüre einfach, etwas will gesagt werden.

Ausklang

Wie immer nach unseren Events ließen wir den Raum noch etwas laufen. Menschen trinken Tee, lernen sich kennen, unterhalten sich ausgelassen, kuscheln oder knutschen wild rum. Nach einer halben Stunde beginnen wir langsam mit dem Aufräumen, manche helfen, manche bleiben unbehelligt liegen und dürfen ihre Zweisamkeit bis zum Schluss genießen, denn bei uns muss niemand helfen, es versüßt uns sogar die Arbeit, wenn nebenbei noch etwas Liebe gemacht wird.

Als alle weg sind, öffnen wir mit Susanne eine Proseccoflasche und stoßen auf diesen gelungenen Abend an. Wir fallen hungrig über unsere Schulbrote her und lassen den Abend noch ein wenig intern ausklingen. Noch wissen wir nicht, dass der Abend noch weiter geht. Susanne verabschiedet sich und freut sich auf ihr Bett.

Wenn die Welt unser Innerstes spiegelt

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Was nun folgt, erleben wir nicht das erste Mal. Wir verlassen mit unserem riesigen Rollkoffer voller schöner Tücher, Augenbinden, Tantrautensilien und Veranstaltungstechnik den Veranstaltungsort und finden uns im Berliner Nachtleben wieder. Wir fliegen auf allen Wolken und sind trotz all der Anstrengungen in Partylaune. Die Welt lacht uns ins Gesicht. Am Rosi, aus der U-Bahn, wollen wir noch nicht ins Bett. Die Nacht ist warm und am Rosi tobt der Bär. Wir holen uns Pizza und ein Bierchen und sitzen draußen. Neben uns eine Horde Youngster mit einer sehr lauten Box. Die Musik ist mir zu laut, aber ich bin gut drauf. „Könnt ihr das bitte einen Tick leiser machen? Danke! Und lasst euch die Pizza schmecken!“ sagt Tandana so einnehmend freundlich, vorwurfsfrei, dass ich gar nicht weiß, wie ich den Subtext hier dokumentieren könnte. Vielleicht so: „Ich find’s richtig geil, wie ihr hier das Leben feiert, schön dabei zu sein, danke! Mit zwei DB weniger fänd ich’s noch geiler!“ Jedenfalls folgen sie der Bitte, und das Klima zwischen uns und dem Nachbartisch hat sich spürbar verbessert.

Auf dem Heimweg stoßen wir auf das eingangs erwähnte Pärchen. Als wir zu Hause sind, lege ich mich mit dem letzten Schluck Bier in die Hängematte und spüre nach. Wie schön ist doch mein Wildes Leben geworden, das hätte ich vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten. Ich hatte nicht gewusst, dass man überhaupt so leben kann, und noch viel weniger hätte ich gedacht, dass ausgerechnet ich so jemand werden könnte. Ich danke der Welt, ich danke Tandana, ich danke all unseren Teilnehmerinnen und Helferinnen, ich danke meinen vielen Lehrern und Wegbegleitern, und vor allem und am allermeisten danke ich mir selbst.

Namasté!
Chono

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