Durch’s Wechselbad der Gefühle zur Freiheit – Erlebnisbericht Blind Pleasure

Manche Dinge brauchen seine Zeit und für manche Dinge braucht man Zeit. Andere sagen, es gibt für alles seine Zeit. Nun ja wie auch immer, am Sonntag den 03.06.2018 traf dann wohl alles aufeinander.

Auch wenn es komisch klingt, es war nicht von mir geplant am „Blind Pleasure“ teilzunehmen. Mir war nicht einmal bekannt, dass es solche Veranstaltungen gibt. Auch der Begriff Tantra und Tantraveranstaltungen ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Dennoch war ich dort und es hat mich so beeindruckt und innerlich aufgewühlt, dass ich hier jetzt einen Bericht schreibe.

Aber wie kam ich nun dort hin? Umstände die nur das Leben schreiben kann, Schienenersatzverker vom öffentlichen Personennahverkehr (… was für heiße Worte) und die Vorliebe meiner Verabredung für diese Art der Veranstaltung. Tja, es war mein erstes Date mit ihr und da dachte ich dann eher an eine Art von Kaffee trinken als sie mir den Vorschlag machte dann dort hin zu fahren. Beim Begriff Tantra dachte ich dann eher an orange gekleidete Mönche und Hare Khrishna mit Glöckchen. Alles kam anders als natürlich gedacht.

Nach der üblichen Sucherei nach einem Parkplatz und der nun schon deutlichen Verspätung zu meiner Verabredung, trafen wir uns vor dem Eingang.

Dann ging alles so schnell und alles in mir rief halt warte ich will doch den Menschen wenigstens etwas näher kennenlernen. Aber nein Klingeling, Tür auf zwei nette Mädels und eine lockere Begrüßung, Augenbinde ach ja da war doch was, Was? Niemanden sehen und dann auch nicht sprechen? Auf einmal stehe ich mit meiner mir doch unbekannten Begleitung auf der Toilette. Oh Gott was mache ich hier? Was sagt sie da? Zum Schluss vögeln alle durcheinander? Alle? Nein, da wird aufgepasst, alles hat seine Grenzen und man muss nichts machen. Puh, dass ist gut zu Wissen. Augenbinde auf und schwubs hatten sie mich an der Hand und ich wusste nicht mehr wo ich war.

Jetzt saß ich da auf dem Boden in einem Raum mit Menschen die ich noch nie gesehen hatte. Nun gut, sie haben mich ja auch noch nie gesehen. Jemand gibt den Anwesenden Verhaltensregeln zu Klaviermusik. Lass ich mich darauf ein? Ich strecke mich etwas und versuche meinen Rücken gerade zu bekommen. Ok, ich darf niemanden berühren und hinlegen ist auch nicht, da die Hütte nach Angaben des „Moderator“ brechend voll ist. Ich versuche meine Umgebung mit den mir verbliebenen Sinnen wahrzunehmen. Die Geräusche der Türklingel sagen mir, dass zu der angesagten Fülle noch weiter mir nicht bekannte Menschen in den Raum gesetzt werden. Dunkle Männerstimmen machen bei den angesagten Atemübungen mit. Oh, was passiert wenn ich an einen Mann gerate. Panik!!!! Der weis ja auch nicht, dass ich ein Mann bin. Na wenn er nicht ein totaler Trottel ist, wird er es schon mitbekommen. Ähh, wenn er es aber genau so will?????? Noch mehr Panik…. viel Panik. Ich merke in mir den Stresspegel auf ein Maximum ansteigen. Wo ist mein Date? Im Inneren von mir erinnert alles an Dantes Inferno. Nun kommt die Stimme zu dem entscheidenden Satz, dass man ja auch „Stop“ sagen kann. Man, da hätte ich auch selber drauf kommen können. Vor mir wird ein Mensch platziert und ich merke wie sich die weiche Unterlage eindrückt. Ich taste etwas nach hinten und merke, dass dort niemand mehr sitzt und sich eine Tür befindet. Super, rückwärts raus aus der Gefahrenzone. Beim Versuch mich und meinen Rücken zu entspannen berühren mich Finger die von der eingedrückten Unterlage vor mir stammen. Es sind sehr schmale Finger und sie sind sehr glatt. Ob sie zu einem Mann oder einer Frau gehören, weiß ich nicht. Es ist interessant, aber will ich das wirklich Wissen? Für den Rücken ist es eine Wohltat endlich sich anlehnen zu könne. Irgendwie nehme ich im Unterbewusstsein zwar die Worte die gesprochen werden auf, aber danach handeln kann ich nicht. Ist das jetzt der Moment wo ich das Kaninchen gleich von der Schlange gefressen werde. Auch wenn ich äußerlich ganz entspannt wirke, könnte ich sofort aus dem Fenster springen. In welchem Stockwerk befinden wir uns eigentlich. Hallo Erde, ich bin gleich wieder da, ruhig Brauner alles halb so schlimm. Zahnarzt ist schlimmer.

Warum auch immer, es normalisierte sich alles wieder in mir. Meine Nase nimmt die ganze Zeit einen Geruch auf, der sehr schön ist. Es erinnert mich an Thailand im letzten November. Also haben sie hier auch Raucherstäbchen oder Duftöl. Schön. Aber der Duft ist nicht ständig da, die Intensität ist zu schwach. Nun sollen wir uns mit den Händen überall berühren und dann nur mit der Schulter den Nachbarn finden. Jetzt sitze ich hier wie ein Drops an der Wand und denke Schulter ….? Ich will gerade jetzt und hier nicht irgendeine Schulter spüren. Okay, nach Vorne da Sitzen die schmalen Finger. Hinter mir die sichere Tür, links wurde auch jemand platziert und rechts kann dann eigentlich nur….

Ich spüre Finger, Hände, schöne Hände. Bereits vertraute Hände? Bitte, bitte, lass es meine Begleitung sein. In diesem Augenblick war mir klar, nicht ich habe gesucht, ich wurde gefunden. Es waren Gerüche, es war Stoff der knisterte, Formen die ich unter meinen Händen spürte. Es ist die feuchte Haut die von der Tageshitze und von der eigendynamischen Energie der Beteiligten im Raum herrühren. Ich spüre Hände an meine Beinen und feuchte Lippen in meinem Gesicht. Ich spüre Hände auf meinem T-Shirt und den Atem mir fremder Menschen. Ja, ich würde am liebsten die Maske mir von den Augen nehmen und mir ansehen was um mich herum passiert. Aber irgendwie möchte ich es auch nicht. Ich spüre kräftige Hände und im Gesicht ein kratzen das doch sehr untypisch für eine Frau ist. Diese Hände berühren mich an Stellen die ich nicht möchte und das vor allem nicht von Männern. Meine gewonnene Entspanntheit schlägt schlagartig um und lässt auch keinen Platz für andere Gedanken. Würde ich das von außen betrachten können erinnert es sicherlich an ein Knäuel von Menschen. Kann ich aber nicht. Der Bart mit seinem EKG (Eierkontrollgriff) ist weiter. Das Wechselbad der Gefühle hört einfach nicht auf und wird nun auch noch durch Geräusche unterstützt. Ich höre so eines wie das welches Bob Ross mit seinem Pinsel an der Staffelei gemacht hat. In diesem Augenblick lacht er immer und zauberte im Anschluss ein wunderbares Bild. Mein Bild war dann auch wunderbar und das dann die Akustik dem entsprach unterstützte dieses in alle Facetten. Ich verlor zwar nicht die Unschuld aber inzwischen mein T-Shirt und lag in den Armen einer wunderbaren Frau. Plötzlich war alles frei.

Egal wie sehr meine Systeme auf hab acht Stellung waren, die gesamte Zeit hätte auch nie eine richtig unangenehme Situation entstehen können. Tandana und Chono hatten ein wachsames Auge auf alle Teilnehmer. Diese wurde mir klar, als die Bitte zum verlassen des Raumes kam, wenn es zu Unterhaltungen unter den Anwesenden kam. Das war natürlich nicht als Rausschmiss gemeint sondern die freundliche Bitte die anderen Teilnehmer nicht zu stören und dafür dann doch besser vom leckeren Buffet zu kosten. Nach dem offiziellen moderierten Teil, schloss sich dann neben dem bereits erwähnten Buffet der „wer spielen will spielt weiter“ Teil an. Sicherlich gibt es bei allem eine Dateline aber davon war nichts zu spüren. Gespräche die sich am Buffet ergaben waren sehr locker, inspirierend, lustig, interessant. Vor allem merkte ich, dass sehr aufeinander geachtet wird. Ich hatte eher das Gefühl in einer Familie zu sein. Mein Haus, mein Auto und meine Pferde waren definitiv nicht das Thema.

Was ich eigentlich nicht erwähnen muss, ist, dass alle hygienischen und Schutzartikel bei Bedarf vorhanden waren.

Mein Fazit:

Wäre ich von alleine zu so einer Veranstaltung gegangen? Niemals…. Als Konsument vom Mainstream ist das auch völlig klar.

Würde ich solche Veranstaltung wieder besuchen? Auf jeden Fall !!!!

So ein Wechselbad der Gefühle zwischen Angst, Erwartung und Glück hatte ich noch nie.

Danke liebe M. Meine Seele hat mich jetzt wieder eingeholt.

Danke liebe Tandana und Chono für diese gelungene Veranstaltung!!!

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