Wie schnell wissen wir eigentlich, wer ein anderer Mensch ist? Was passiert in uns, wenn wir jemanden sofort sympathisch, unsympathisch, attraktiv, gefährlich, nervig, bedürftig oder „nicht unser Typ“ finden? Und woher wissen wir, ob wir gerade wirklich den Menschen vor uns wahrnehmen — oder vor allem unsere eigenen alten Filme, Ängste, Wünsche und Bewertungen?
Projektionen gehören zum Menschsein. Unser Gehirn sortiert blitzschnell, und das war evolutionär vermutlich ziemlich nützlich. Nur wird es in Begegnung, Liebe und Tantra manchmal schwierig, wenn wir diese inneren Sortierungen für die Wahrheit halten. Dann sehen wir nicht mehr den Menschen, sondern unsere Brille. Wir machen andere verantwortlich für unsere Gefühle, verwechseln Angst mit Gefahr, Scham mit Ablehnung oder alte Erfahrungen mit der Gegenwart. Im Tantra wird das besonders spannend, weil Nähe, Körper, Lust, Scham, Eifersucht und Sehnsucht viel dichter beieinander liegen als im Alltag.
In dieser Folge reden wir darüber, was Projektionen sind, warum sie entstehen, woran du sie erkennen kannst und wie du im Seminar damit umgehen kannst. Wir sprechen über Bewertungen, Beuteschema, Antipartner-Erlebnisse, Grenzen, Ich-Botschaften und die Frage, wie aus einem schnellen Urteil wieder echte Neugier werden kann. Diese Folge ist eine kleine Grundlagen-Lecture für alle, die neu zu uns ins Training oder zur Wilden Woche kommen — und für alle, die verstehen wollen, warum Projektionen erkennen im Wild Life Tantra so ein wichtiger Schlüssel für Selbstverantwortung, Freiheit und lebendige Begegnung ist.
Weiterführende Links
- Wild Life Podcast, weitere Folgen zum Thema
- Folge 101 – Glaubenssatzarbeit “The Work” nach Byron Katie – im Gespräch mit Hardy Schulz (Modelle #6)
- Folge 91 – Göttin – Gott – Mensch
- Folge 88 – Das Chakren-Modell (Modelle #4) – Eine klassische Landkarte für moderne Persönlichkeitsentwicklung
- Folge 75 – Das Antipartner-Erlebnis
- Folge 68 – Verwandlung, Magie & Wahrgebung
- Folge 62 – Modelle, Realitäten und das große Geheimnis (Modelle #1)
- Folge 24 – Wahrsprechkultur im Tantraseminar
- Folge 19 – Tantrarituale und der “Shift”
- Folge 16 – Wahrsprechen in Berührung und das Seitenmodell
- Folge 12 – Sag mir, wer ist jetzt in Dir
- Folge 4 – Der Raum der Möglichkeiten – Entspannung, Vertrauen & Hingabe
- Folge 3 – Ekstase vom Alltag bis ins Liebesnest – Active Bodyscan & multiple Ganzkörperorgasmen
- Buch: “Vor dem Denken – wie das unbewusste uns steuert” von John Bargh
- YouTube: “Vor 550 Millionen Jahren: Die Angst erschuf das erste Gehirn der Geschichte”
- YouTube “Projektion erklärt: Wie innere Konflikte zu äußeren Feindbildern werden (Jeannette Fischer)”
Wir wünschen lauschige Selbsterkenntnis!
Chono & Tandana

“Jede Bewertung ist eine Projektion und nicht die Wahrheit”. Ich habe persönlich einen sehr lieben Menschen kennengelernt. Ich war dabei in einer sehr vulnerablen Situation. Diese Vulnerabilität und die Suche nach Lösungen und Erklärungen, gekoppelt mit dem moralischen Anspruch, andere Menschen nicht nach ihrem Aussehen zu bewerten, hat dazu geführt, dass ich sehr lange gegen meine Gefühle angegangen bin, bis nichts mehr von ihnen übrig war. Es folgten Identitätsstörungen, Leid bei dem anderen Menschen aufgrund nicht aufgehender Gefühle, Depressionen, Angststörungen mit hochgradiger Unsicherheit. Auch wenn ich viel über Liebe gelernt habe, bin ich bis an den Rand der Existenz gegangen. Und hier wird eure Folge richtig kritisch. Der Mensch hat Gefühle und kurzfristige Beurteilungen und ich wünschte mir, ich hätte ihnen mehr Raum und Vertrauen gegeben. Ja, vielleicht stehe ich einfach nicht auf eine Person, tut mir leid, aber es ist einfach mal so.
Liebe*r Anon,
vielen Dank für Deine wichtige Anmerkung zu der Podcastfolge. Vorweg möchte ich sagen, dass wir uns nicht mehr im Detail an alles erinnern, was wir damals gesagt haben, und wir werden die Folge jetzt auch nicht nochmal durchhören, möglicherweise haben wir manches etwas nachlässig formuliert, darum hier einfach nochmal ganz direkt zu Deiner Anmerkung:
Wenn wir sagen, “jede Bewertung ist eine Projektion und nicht die Wahrheit”, heißt das im Umkehrschluss natürlich nicht, dass jede Bewertung falsch ist. Es heißt auch nicht, dass Projektionen immer falsch oder irgendwie schlecht sind. Es geht viel mehr darum, dass wir meinen, dass es wichtig ist, sich dieses Mechanismusses bewusst zu sein oder bewußt zu werden.
Ganz sicher sind wir nicht der Meinung, dass Du Deine Gefühle ignorieren oder übergehen solltest, viel mehr meinen wir, dass es wichtig ist, sie nicht blind zu glauben, sondern sie mit Bewusstheit zu überprüfen. Es geht dabei vor allem um diese reflexhaften Neins, die oftmals Echos aus der Vergangenheit sind und mit dem Gegenüber nichts mehr zu tun haben.
Natürlich haben wir alle eine funktionierende Menschenkenntnis, und die negativen Bewertungen und Projektionen enthalten immer wichtige Informationen und sollten nicht einfach ingnoriert werden.
Es geht darum, dass, wenn wir unseren Erlebnisraum vergrößern, unsere Genussfähigkeit erweitern, unsere Einschränkungen ausdehnen wollen, was wesentliche Bestandteile des tantrischen Trainings sind, dann sollten wir eine gesunde Skepis gegenüber diesen Reflexen üben, aber keine Ignoranz.
Bei dem, was Du schilderst, würde ich erstmal sagen, es geht darum, Deine Selbstwahrnehmung zu üben, Deine Impulsen zu vertrauen und Deinen Körper und seine Sprache zu lesen und ernst zu nehmen.
Es ist ein kompliziertes Gleichgewicht, dass es zu üben gilt, einerseits eine gesunde Selbstwahrnehmung zu haben, andereseits eine gesunde Skepis bezüglich der eigenen Bewertungen. Das alles ist leider nicht schwazweiß, darum trainieren wir im Tantra so viel und oft über viele Jahre hinweg.
Liebe Grüße
Chono & Tandana